Wer von Köln aus eine Zeitreise in das Mittelalter unternehmen möchte, muss keine weite Reise planen. Nur etwa 100 Minuten Fahrzeit trennen die Domstadt von einer der faszinierendsten Kulissen Hessens: Marburg an der Lahn. Die Stadt besticht durch eine außergewöhnliche Dichte an historischer Bausubstanz und eine geografische Besonderheit, die jeden Spaziergang zu einer sportlichen Entdeckungstour macht.
Das Herzstück der Universitätsstadt ist die Oberstadt. Sie erstreckt sich steil ansteigend vom Flussufer der Lahn bis hinauf zum Schlossberg. Charakteristisch für das Stadtbild sind die verwinkelten Gassen und die unzähligen Treppenwege, die sich zwischen den eng bebauten Häuserzeilen den Hang hinaufwinden. Im historischen Kern finden sich über 700 Bauwerke, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Viele dieser unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser wurden in den vergangenen Jahrzehnten behutsam saniert, wobei die typischen vorkragenden Stockwerke erhalten blieben.
Über der Szenerie thront das monumentale Landgrafenschloss Marburg. Die im 13. Jahrhundert als Festung ausgebaute Anlage ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern bietet von ihren Verteidigungsanlagen aus auch einen weiten Panoramausblick über das Lahntal. Im Inneren beherbergt das Schloss heute das Marburger Museum für Kulturgeschichte. Die Geschichte des Baus ist wechselhaft: Einst strategische Bastion, diente das Schloss später unter anderem als Archiv und sogar als Gefängnis. Nach der hessischen Landesteilung 1567 wurde es Teil von Hessen-Kassel.
Am Fuße des Schlossbergs steht ein weiteres sakrales Juwel: Die Elisabethkirche. Zwischen 1235 und etwa 1283 über der Ruhestätte der heiligen Elisabeth von Thüringen errichtet, markiert sie einen Wendepunkt der Architekturgeschichte. Sie gilt als eine der ersten rein gotischen Hallenkirchen nördlich der Alpen. Mit ihren imposanten, rund 80 Meter hohen Türmen dominiert sie die Stadtsilhouette und war im Mittelalter eines der bedeutendsten Pilgerziele des Kontinents.
Diese religiöse Bedeutung schlägt zugleich die Brücke zurück ins Rheinland. Seit 2007 verbindet der „Elisabethpfad 3“ Köln und Marburg auf einer Strecke von rund 168 Kilometern. Dieser moderne Ableger des Jakobswegs ermöglicht es Wanderern, die historische Verbindung zwischen beiden Städten in mehreren Etappen zu Fuß zu erleben.
Neben der Historie prägt vor allem der universitäre Geist das Leben in der Stadt. Die 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen ins Leben gerufene Philipps-Universität hält den Titel der weltweit ältesten noch existierenden Hochschule protestantischer Gründung. Die rund 500-jährige akademische Tradition sorgt für eine lebendige Atmosphäre: Kleine Buchhandlungen, gemütliche Cafés und urige Studentenlokale fügen sich nahtlos in das mittelalterliche Gefüge ein.
Für Kölner Tagestouristen ist das Ziel gut erreichbar. Die Fahrt mit dem Pkw über die A4 und A45 nimmt je nach Verkehr etwa anderthalb bis zwei Stunden in Anspruch. Bahnreisende erreichen Marburg über Frankfurt oder Gießen in rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Durch die kompakte Anordnung der Sehenswürdigkeiten lässt sich das kulturelle Programm bequem an einem einzigen Tag absolvieren.
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Quellen: t-online
Bildquelle: KI generiert