Kritische Hungerkrise in Afghanistan: Dringender Handlungsbedarf erforderlich
In Afghanistan spitzt sich die Lage dramatisch zu, während das Welternährungsprogramm (WFP) vor einer sich ausbreitenden Ernährungskrise warnt. Der Landesvertreter des WFP für Afghanistan, John Aylieff, machte deutlich, dass infolge erheblicher Kürzungen der Entwicklungshilfe nur ein von neun unterernährten Menschen im Land Hilfe erhält.
Besonders gefährdete Gruppen und erschreckende Statistiken
Die Auswirkungen der Krise sind besonders schwerwiegend für Kinder. Aylieff berichtete von einem alarmierenden Anstieg an Kindern, die dringend in Gesundheitszentren behandelt werden müssen. Viele von ihnen kommen zu spät, um gerettet werden zu können. Die Ernährungskrise hat inzwischen ein als „außer Kontrolle“ beschriebenes Ausmaß erreicht.
Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge leben über 48 Millionen Menschen in Afghanistan. In einem Drittel der Provinzen hat die gefährlichste Form der Unterernährung, die Auszehrung, kritische Dimensionen erreicht. Besonders betroffen sind Kleinkinder unter zwei Jahren, was die Dringlichkeit der Situation verdeutlicht.
Finanzielle Engpässe und ihre Folgen
Die UN-Organisationen sehen sich derzeit einem noch nie dagewesenen finanziellen Druck gegenüber, wodurch die Helfer zunehmend handlungsunfähig sind. Aylieff warnte, dass die Auswirkungen dieser Hungerkrise nicht nur Afghanistan betreffen werden. Extremes Hungern könnte Migration und Radikalisierung begünstigen und letztlich zu regionaler Instabilität führen.
Ursachen für die akute Unterernährung
Die drastische Kürzung der Hilfsgelder allein ist nicht verantwortlich für die akute Unterernährung. Auch andauernde Konflikte, Handelsbeschränkungen und Zwangsrückführungen aus Nachbarländern wie Iran und Pakistan verschärfen die Situation. Der Anstieg der Unterernährung im vergangenen Jahr war im Vergleich zum Vorjahr so hoch wie nie zuvor, und die Bedingungen haben sich in diesem Jahr weiter verschlechtert.
Finanzierungsbedarf des Welternährungsprogramms
Bislang hat das WFP lediglich rund ein Zehntel der für Afghanistan benötigten 900 Millionen US-Dollar (etwa 780 Millionen Euro) erhalten. Zwar wird in diesem Jahr eine gute Ernte erwartet, doch dies wird nicht ausreichen, um die erheblich gestiegenen Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken. In den letzten drei Jahren wurden etwa sechs Millionen Afghanen gezwungen, aus Nachbarländern in ihr Heimatland zurückzukehren.
Quellen: tagesschau, Die Zeit
Bildquelle: Morteza Rezaiy auf Pexels
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