In den Vereinigten Staaten formiert sich ein zunehmender Widerstand gegen die Errichtung von Rechenzentren, die nicht nur wegen ihres Lärms in der Kritik stehen, sondern auch aufgrund ihres hohen Wasserverbrauchs und der Luftverschmutzung, die sie verursachen. Besonders in Wohngebieten, wo diese Einrichtungen häufig angesiedelt werden, regt sich der Unmut unter den Anwohnern, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit.
Die Lärmbelästigung als zentrales Problem
Hari Doue beschreibt das Geräusch, das von dem Rechenzentrum ausgeht, als „heulend“ und „hoch“, vergleichbar mit dem Lärm eines Flugzeugs oder einer ständig laufenden Maschine. Das Rechenzentrum, das sich nur etwa 150 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt befindet, nahm vor rund einem Jahr seinen Betrieb auf. Die Anwohner berichten von einer ständigen Lärmbelästigung, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Steigender Bedarf an Rechenleistung
Der stetig wachsende Bedarf an Rechenleistung, bedingt durch Online-Aktivitäten und den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz, führt zu einem Boom von Rechenzentren. In Northern Virginia, wo sich Doues Wohnort befindet, sind mittlerweile fast 600 dieser Anlagen in Betrieb. Der lokale Energieanbieter kann jedoch nicht ausreichend Strom liefern, was dazu führt, dass viele Rechenzentren auf Notstromaggregate angewiesen sind, die zusätzlich Lärm und Abgase verursachen.
Politische Reaktionen und Proteste
Der Widerstand gegen die Rechenzentren ist parteiübergreifend. Meinungsumfragen zeigen, dass auch viele Republikaner gegen die Ansiedlung dieser Anlagen in Wohngebieten sind. Bei einem landesweiten Protesttag in Frederick, Maryland, versammelten sich zahlreiche Bürger, um gegen die Rechenzentren zu demonstrieren. Die Mitorganisatorin Elyse Wilson betont, dass dieses Thema alle politischen Lager eint.
Umwelt- und Gesundheitsbedenken
Paula D’Amico Hollewa, eine weitere Aktivistin, fordert, dass Rechenzentren nicht in Wohngebieten, sondern besser entlang von Highways angesiedelt werden sollten, um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Anwohner zu minimieren. Auch in Kalifornien regt sich Widerstand gegen den Bau neuer Rechenzentren, da die Anwohner ähnliche Bedenken hinsichtlich Lärm und Umweltverschmutzung äußern.
Mobilisierung durch konservative Gruppen
Die Organisation „Humans First“, geleitet von der Aktivistin Amy Kremer, mobilisiert vor allem konservative Bürger gegen die Rechenzentren. Kremer, die auch in der Vergangenheit bei Protesten gegen die Politik von Präsident Trump aktiv war, sieht in der schnellen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ein großes Risiko und kritisiert die Tech-Unternehmen, die ihrer Meinung nach nicht im Interesse der Bevölkerung handeln.
Politische Konsequenzen
Die Proteste gegen Rechenzentren haben mittlerweile auch die Politik erreicht. Immer mehr Politiker erkennen die Sorgen der Bevölkerung an, da die Anlagen nicht nur viel Wasser und Strom verbrauchen, sondern auch die Luftqualität beeinträchtigen können. Diese Themen haben bereits dazu geführt, dass einige Befürworter der Rechenzentren bei den Vorwahlen in diesem Jahr Schwierigkeiten hatten, ihre Positionen zu verteidigen.
Fazit
Die Diskussion um Rechenzentren in den USA zeigt, dass Umwelt- und Gesundheitsbedenken zunehmend in den Fokus rücken. Die Anwohner fordern eine bessere Regulierung und eine Berücksichtigung ihrer Interessen, während die Politik gefordert ist, Lösungen zu finden, die sowohl den Bedarf an Rechenleistung als auch die Lebensqualität der Bürger berücksichtigen.
Quellen: tagesschau, web