Der 38. Deutsche Naturschutztag (DNT) wurde heute in Berlin feierlich eröffnet. Bis Freitag versammeln sich im Henry-Ford-Bau der Freien Universität 1.600 Teilnehmende sowie über 150 Fachleute, um sich beim größten Naturschutzkongress im deutschsprachigen Raum auszutauschen. Der DNT findet alle zwei Jahre in einem anderen Bundesland statt und wird in diesem Jahr vom Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Deutschen Naturschutzring (DNR) und der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt organisiert.
Fokus auf Mensch-Natur-Beziehungen
Im Mittelpunkt des diesjährigen Fachkongresses steht das Motto „Natur, Mensch, Zukunft“. Dabei werden die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur thematisiert, die entscheidend für unsere planetare Zukunft sind. Zu den diskutierten Themen gehören unter anderem die Biodiversität und die Klimaresilienz in städtischen Räumen sowie die gesellschaftliche Dimension des Naturschutzes. Erfolgreicher Naturschutz erfordert Beteiligung, Dialog und transparente Aushandlungsprozesse, die die Demokratie stärken. Der DNT 2026 wird zudem erörtern, wie Instrumente und Strategien des Naturschutzes angesichts veränderter politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zukunftsfähig bleiben und weiterentwickelt werden müssen. Mit Fachvorträgen, einer begleitenden Ausstellung, zahlreichen Informationsständen und aufschlussreichen Exkursionen setzt der DNT 2026 Impulse für einen fundierten und gesellschaftlich getragenen Naturschutz. Darüber hinaus bietet das Berufsfeldforum Naturschutz insbesondere Jugendlichen und jungen Erwachsenen Orientierung bei der Berufswahl.
Stimmen der Verantwortlichen
Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), äußerte: „Es sind herausfordernde Zeiten für den Naturschutz: Biodiversitätsverlust, Klimawandel, intensive Landnutzung und Finanzierungsfragen sind nur einige der drängenden Themen. Zugleich beobachtet auch das Bundesamt für Naturschutz eine zunehmende Polarisierung in den gesellschaftlichen Debatten rund um den Naturschutz. Gerade in diesen Zeiten gewinnen Veranstaltungen wie der Deutsche Naturschutztag eine große Bedeutung. Ich freue mich sehr darauf, beim 38. Deutschen Naturschutztag die zahlreichen aktuellen Themen im Naturschutz mit vielfältigen gesellschaftlichen Akteuren zu diskutieren und das Engagement sowie die Leidenschaft der vielen ehrenamtlichen und beruflichen Naturschützerinnen und Naturschützer mit Zuversicht und Wertschätzung zu würdigen.“
Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, betonte: „Berlin ist eine Stadt voller Natur: Parks, Wälder, Flüsse, Kleingärten und mehr als 50 Schutzgebiete durchziehen unsere Metropole. Diese grünen Orte sind Erholungsräume, Lebensräume und Oasen gegen Hitze zugleich – sie machen unsere Stadt lebenswert. Naturschutz ist in Berlin kein Randthema, sondern Teil unserer urbanen Identität. Der Deutsche Naturschutztag hier in Berlin zeigt, wie effektiv Städte, Forschung und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten können. Die Stadt Berlin ist stolze Gastgeberin dieses wichtigen Kongresses.“
Florian Schöne, Geschäftsführer des Deutschen Naturschutzrings (DNR), wies darauf hin: „In der politischen Debatte auf europäischer und nationaler Ebene wird zunehmend der Eindruck vermittelt, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen einer wirtschaftlichen Entwicklung im Wege steht und zurückgefahren werden sollte. Wer aus kurzsichtigen politischen Gründen das Natur- und Artenschutzrecht grundlegend in Frage stellt, gefährdet jedoch unseren Wohlstand und verkennt, dass gesunde Ökosysteme unsere Lebensversicherung darstellen. Ob Nahrungsmittel, Rohstoffe, sauberes Wasser oder Klimaanpassung – eine gesunde Natur schützt uns, beugt zukünftigen Krisen vor und lohnt sich auch volkswirtschaftlich. Daher wollen wir mit dem Deutschen Naturschutztag ein klares Signal aussenden: Naturschutz ist kein „nice to have“ und keine Verhandlungsmasse für eine wahllose Deregulierung. Wir brauchen die Natur als Verbündete und müssen sie schützen, damit sie uns schützt!“
Christof Martin, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz (BBN), erklärte: „Gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Biodiversitätskrise, die durch den Klimawandel noch verstärkt wird, ist es widersinnig, dass im Rahmen des sogenannten „Bürokratiebeschleunigung“ durch die Bundesregierung ein Personalabbau bei den Naturschutzbehörden geplant ist, diesen dann aber noch zusätzliche Aufgaben, die sich aus internationalen Verpflichtungen oder auch aus dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz ergeben, aufgebürdet werden sollen. Eine Umsetzung des in Artikel 20a Grundgesetz formulierten Staatszieles erfordert vielmehr eine Stärkung des Natur- und Umweltschutzes auf allen Ebenen, damit auch zukünftigen Generationen eine intakte artenreiche Umwelt mit unbelasteten Böden, sauberem Wasser und klarer Luft zur Verfügung steht.“
Der DNT als zentrale Plattform
Der DNT ist der größte und älteste Naturschutzkongress für Praxis, Wissenschaft und Politik und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Er stellt die zentrale Plattform für den Austausch über aktuelle Probleme und Lösungen sowie zur Fortbildung im Naturschutz dar. Eine umfassende Übersicht zu allen Programmpunkten des DNT 2026 in Berlin ist verfügbar.
Berlin Fashion Week offiziell eröffnet
„`
Bildquelle: Bildquelle: Ulrike Leone auf Unsplash