Mediziner der Charité in Berlin haben einen innovativen Test entwickelt, der es ermöglicht, die innere Uhr eines Menschen zu bestimmen. Dieser Test könnte als Grundlage für eine neue Form der Medizin dienen.
Durch die Analyse einer Haarprobe können die Ärzte des Berliner Universitätsklinikums ermitteln, welchem Chronotyp eine Person angehört, also wie ihre innere Uhr funktioniert. Laut einer Mitteilung der Charité soll dies die Basis für die zirkadiane Medizin bilden, die den Biorhythmus der Patienten stärker in die medizinische Behandlung einbezieht.
Der Hintergrund dieser Entwicklung liegt im Einfluss des Biorhythmus auf den menschlichen Stoffwechsel sowie auf die Wirksamkeit von Medikamenten. Professor Achim Kramer, der den Bereich Chronobiologie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin leitet, erläutert, dass Studien gezeigt haben, dass die Tageszeit, zu der bestimmte Krebsimmuntherapien verabreicht werden, deren Effektivität erheblich beeinflussen kann. Dies steht im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen, die auch die Krankenkassen betreffen.
Die zirkadiane Medizin berücksichtigt demnach die individuelle innere Uhr eines Patienten sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Therapie.
Bislang war es laut Charité schwierig, den Chronotyp eines Menschen zu bestimmen. Die gängige Methode bestand darin, das Dunkelhormon Melatonin im Speichel unter schwachem Licht über mehrere Stunden zu messen. Diese Vorgehensweise ist jedoch aufwendig und nur im Labor umsetzbar.
Der neue Haartest stellt eine deutlich einfachere Alternative dar. Dabei wird die Aktivität mehrerer Gene in den Zellen der Haarwurzeln analysiert. Anhand dieses Musters kann mithilfe von maschinellem Lernen ermittelt werden, zu welchem Zeitpunkt im Tagesrhythmus sich die Person befindet. Für die Analyse genügt eine einzige Haarprobe.
Die bisherigen Ergebnisse aus Haarproben von etwa 4.000 Probanden zeigen, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich ihrer Biorhythmen gibt. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Lebensstil einen größeren Einfluss auf die innere Uhr hat als zuvor angenommen.
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Bildquelle: ai-generated-gemini