Die Waldsiedlung Zehlendorf wird voraussichtlich als siebter Teil der Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ anerkannt. Diese Entscheidung wird zwischen dem 25. und 27. Juli 2026 auf der 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Busan, Südkorea, bekanntgegeben. Der Nominierungsprozess, der seit 2021 von der Obersten Denkmalschutzbehörde und dem Landesdenkmalamt in Berlin geleitet wird, hat zu dieser wichtigen Entwicklung geführt.
Zur Feier dieser Nominierung lädt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zu einem Presserundgang in die Waldsiedlung Zehlendorf ein. Ziel ist es, den neuen Teil der Berliner Welterbestätte zu würdigen und vorzustellen. Im Anschluss an den Rundgang findet ein Get-Together im Kieztreff „Frisierkunst“ statt.
Der Presserundgang ist für Montag, den 27. Juli 2026, von 10:00 bis 11:00 Uhr geplant. Der Zugang erfolgt rechts der Riemeisterstraße 128 in Berlin. Anwesend werden unter anderem Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, sowie Patrick Steinhoff, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung von Steglitz-Zehlendorf, sein.
Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch als „Onkel-Tom-Siedlung“ bekannt, ist eine bedeutende Wohnanlage im Stil des Neuen Bauens. Sie erstreckt sich rund um die Verkehrsachse am U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ und der Argentinischen Allee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolph Salvisberg schufen zwischen 1926 und 1932 eine der größten und bekanntesten deutschen Siedlungen der 1920er Jahre. Insgesamt wurden 1.917 Wohneinheiten errichtet, darunter 1.108 in Mehrfamilienhäusern und 809 Einfamilienhäuser.
Die Waldsiedlung wurde mit dem Ziel entwickelt, bezahlbaren Wohnraum in einer naturnahen Umgebung zu schaffen. Jeder Bewohner erhielt Zugang zu einem eigenen „Außenwohnraum“ sowie zu zahlreichen Gemeinschaftsräumen. Die Freiflächen wurden von Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre gestaltet und tragen zur harmonischen Integration der Anlage in die Natur bei. Die Siedlung zeichnet sich durch moderne Architektur mit Flachdächern und differenzierten Farben aus und bietet eine optimale Verkehrsanbindung.
Die Eintragung als UNESCO-Welterbe wird keine direkten Auswirkungen auf das Wohnen in der Siedlung haben. Vielmehr stellt sie eine internationale Anerkennung der Qualität und Bedeutung der Waldsiedlung dar. Diese Auszeichnung könnte das Bewusstsein für den besonderen Wert der Siedlung stärken und identitätsstiftend für die Gemeinschaft wirken. Der Nominierungsprozess hat gezeigt, dass die Bewohner ein großes Interesse an der Geschichte der Siedlung haben und sich stark mit ihr identifizieren. Ein entwickelter Managementplan sorgt dafür, dass die Bewohner auch in Zukunft in die Belange der Siedlung eingebunden bleiben.
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Waldsiedlung Zehlendorf und der erwarteten UNESCO-Einschreibung wird vom 27. bis 30. August 2026 ein Festival in der Siedlung stattfinden.
Im Umfeld eines UNESCO-Welterbes gelten besondere Qualitätsansprüche für potenzielle bauliche Veränderungen. Daher wird eine Pufferzone um das Welterbe eingerichtet, um die Qualität der Stätte zu sichern.
Die „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurden 2008 als Welterbe anerkannt und umfassen derzeit sechs weitere Siedlungen: die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Großsiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt.
Die Entstehung der „Siedlungen der Berliner Moderne“ war eine Reaktion auf den enormen Wohnungsmangel in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Berlin war besonders betroffen, da die Bevölkerung schnell wuchs und die Wohnverhältnisse in den „Mietskasernen“ oft schlecht waren. Die Gründung der Weimarer Republik führte zu einer sozial orientierten Stadtplanung, die durch gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Reformen in der Baugesetzgebung unterstützt wurde.
Die „Siedlungen der Berliner Moderne“ sind ein bedeutendes Beispiel für eine umfassende Wohnungsbaureform, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Berlin beitrug. Ihre architektonische und städtebauliche Qualität hat auch international Maßstäbe gesetzt. Die führenden Architekten dieser Zeit integrierten innovative Lösungen und ästhetische Ansprüche in die Planung und den Bau der Siedlungen.
Das UNESCO-Welterbekomitee entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand bereits eingetragener Stätten. Aktuell umfasst die Liste 1.248 Stätten in 170 Ländern, darunter 55 in Deutschland. In Berlin sind drei Welterbestätten verzeichnet, darunter die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ sowie die „Museumsinsel“.
Für weitere Informationen steht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zur Verfügung. Die Pressestelle kann unter der Telefonnummer (030) 90173-4040 kontaktiert werden.
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Quellen: berlin.de, rbb24, n-tv
Bildquelle: Matthieu Rochette auf Unsplash