Familienkonflikt eskaliert vor Berliner Gericht
Berlin – Ein geplanter Prozess vor dem Berliner Kriminalgericht nahm am Montag eine dramatische Wendung, als es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen zwei Familien kam. Der Richter hatte gerade eine Pause angeordnet, als sich die Situation vor dem Gerichtsgebäude mit Fäusten, Messern und Schlagstöcken zuspitzte. Rund 20 Angehörige der beteiligten Familien gerieten aneinander, ausgelöst durch einen Vorfall, der auf einen abgetrennten Daumen zurückgeht.
Der Konflikt zwischen den beiden Familien reicht bis ins Jahr 2015 zurück. In diesem Jahr hatten die Brüder Semsudin (39) und Denis H. (37) während eines Beschneidungsfestes einer Frau mit einem Messer ein Stück ihres Daumens abgetrennt. Im Jahr 2017 wurden sie wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen von dreieinhalb Jahren beziehungsweise drei Jahren verurteilt. Beide Brüder legten jedoch Berufung ein.
Berufungsprozess und gewalttätige Eskalation
Aufgrund der Überlastung der Gerichte fand der Berufungsprozess erst am Montag statt. Während der Verhandlung wurde erneut eine Videoaufzeichnung der Aussage der betroffenen Frau gezeigt, was die Spannungen zwischen den beiden Familien erneut anheizte. Der Richter entschied, eine Pause einzulegen. Plötzlich ertönten gegen 11.30 Uhr die Alarmglocken im Gericht – eine Prügelei hatte vor dem Gebäude begonnen.
Wie aus internen Informationen hervorgeht, wurden die Brüder von Angehörigen des Opfers angegriffen. Justizwachtmeister eilten zum Eingangsbereich, wo die Auseinandersetzung bereits in vollem Gange war. Das Gerichtsgebäude wurde abgeriegelt, und alle laufenden Prozesse mussten unterbrochen werden. Als die Polizei eintraf, waren nur noch sieben der ursprünglich 20 Beteiligten vor Ort.
Verletzungen und Festnahmen
„Dem Verletzungsbild nach zu urteilen, kamen bei der Auseinandersetzung auch Messer zum Einsatz. Mehrere Männer erlitten Schnittverletzungen“, erklärte ein Polizeisprecher. Auch Schlagstöcke sollen in der Auseinandersetzung verwendet worden sein, jedoch konnten die Beamten keine Waffen sicherstellen. Zwei Männer wurden vorübergehend festgenommen.
Die Polizei blieb vor Ort, um weitere Konflikte zu verhindern. Am späten Mittag endete der Berufungsprozess für die Brüder mit einer Umwandlung ihrer Haftstrafen in Bewährungsstrafen von einem Jahr und elf Monaten sowie einem Jahr und acht Monaten. In einem ähnlichen Vorfall, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog, berichteten wir über Männer, die aus einem fahrenden Auto auf Polizisten schossen. Auch eine andere Attacke, bei der ein Polizist einen Messerangreifer mit einem Schuss stoppte, zeigt die zunehmende Gewalt in der Stadt, wie in unserem Artikel über die Attacke in einer Klinik beschrieben. Zudem ermittelt die Polizei nach einem Vorfall bei einer Schüler-Demo, der in einem Plakat thematisiert wird.
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