Korbach – Am 24. März 2026 informierte die Polizei über zwei Fälle von Schockanrufen, bei denen skrupellose Betrüger Schmuck und Gold im Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro erbeuteten. In beiden Vorfällen erzählten die Täter den betroffenen Seniorinnen eine erfundene Geschichte über einen schweren Unfall von Angehörigen, um eine angebliche Kaution zu erpressen. Die Kriminalpolizei Kassel hat die Ermittlungen übernommen und sucht nach Zeugen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt haben oder Hinweise zu den Geldabholern geben können. Zudem warnt die Polizei eindringlich vor dieser Betrugsmasche und gibt Ratschläge zum Schutz.
Erster Fall: Betrug am 12. März
Im ersten Vorfall kontaktierten die Betrüger am Donnerstag, dem 12. März, gegen 23:00 Uhr eine Seniorin aus Korbach. Eine weibliche Stimme meldete sich und schrie hysterisch, dass sie einen schweren Unfall verursacht habe. Anschließend übergab die Anruferin das Telefon an einen Mann, der sich als „Herr Wachmann vom K1“ vorstellte. Er erklärte, dass die Tochter der Angerufenen, eine junge Mutter von zwei Kindern, eine andere Frau überfahren habe und geflüchtet sei. Die angeblich angefahrene Person sei an den Folgen des Unfalls gestorben. Die Tochter müsse am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt werden, und eine Haft könne nur durch eine hohe Kaution abgewendet werden.
Der vermeintliche „Herr Wachmann“ fragte die Seniorin nach Geld und Wertgegenständen. Unter Druck gesetzt, gab die Seniorin an, dass sie nur Gold bei ihrer Bank habe, das sie jedoch erst am nächsten Tag abholen könne. Der Betrüger forderte sie auf, mit niemandem über das Gespräch zu sprechen und kündigte einen Anruf eines Staatsanwaltes für den folgenden Freitag an.
Zweiter Fall: Betrug am 18. März
Am Freitagmorgen, dem 13. März, meldete sich dann der angebliche „Staatsanwalt Dr. König“. Die Seniorin folgte seinen Anweisungen und fuhr zu ihrer Bank, während sie ständig über ihr Mobiltelefon mit dem angeblichen Staatsanwalt in Kontakt blieb. Gegen 09:00 Uhr holte sie mehrere Goldbarren aus ihrem Schließfach und fuhr, den telefonischen Anweisungen folgend, zum Korbacher Obermarkt. In der Nähe des Bürgerhauses parkte sie ihr Auto, bis ein Mann, der als „Herr Kowalski“ angekündigt war, zu ihr kam. Gegen 10:00 Uhr übergab sie das Gold im Wert von mehreren zehntausend Euro. Anschließend wurde sie weiterhin am Telefon gehalten, bis sie gegen 11:30 Uhr beim Amtsgericht Korbach nach der angeblichen Kaution fragte. Erst als sie ihre Tochter erreichen konnte, wurde ihr klar, dass sie auf Betrüger hereingefallen war.
Der „Herr Kowalski“ konnte von der Seniorin wie folgt beschrieben werden:
- Alter: etwa 35 bis 40 Jahre
- Größe: auffällig klein
- Haare: kurze, dunkle Haare
- Gesicht: Dreitagebart
- Kleidung: dunkle Oberbekleidung
Weitere Details zum zweiten Vorfall
Im zweiten Fall, der sich am Donnerstag, dem 18. März, gegen 14:00 Uhr ereignete, schilderte ein angeblicher Polizist einen Unfall, den die Tochter der Seniorin in Berlin verursacht haben soll, bei dem eine junge Frau ums Leben gekommen sei. In langen Telefonaten mit mehreren Tätern wurde der Seniorin erklärt, dass eine Kaution gezahlt werden müsse, da ihre Tochter sonst in Haft gehe. Auch diese Seniorin hatte kein Geld oder Wertgegenstände zuhause, jedoch Gold in ihrem Schließfach bei der Bank. Unter Druck gesetzt, holte sie am Freitag, dem 19. März, gegen 09:30 Uhr Gold aus ihrem Schließfach. Gegen 12:00 Uhr übergab sie das Gold und weiteren Schmuck im Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro in der Humboldtstraße in Korbach an einen Abholer, der als „Herr Kobalski“ angekündigt war.
Als die Anrufer sich nicht mehr meldeten, wurde die Seniorin misstrauisch und kontaktierte die Polizei sowie ihre Tochter. Der Abholer konnte wie folgt beschrieben werden:
- Größe: etwa 170 cm
- Figur: schlank
- Haare: kurze, schwarze, krause Haare
- Gesicht: kurzer, schwarzer, krauser Bart
- Kleidung: schwarz bekleidet
Ermittlungen und Warnhinweise der Polizei
In beiden Fällen ermittelt nun die EG SÄM der Kasseler Kriminalpolizei. Zeugen, die am Freitag, dem 13. März, gegen 10:00 Uhr am Korbacher Marktplatz oder am Freitag, dem 19. März, gegen 12:00 Uhr in der Korbacher Humboldtstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0561-9100 beim Polizeipräsidium Nordhessen zu melden.
Die Polizei nutzt diese Vorfälle, um eindringlich vor den verschiedenen Betrugsmaschen zu warnen, die von professionell agierenden Tätern verwendet werden:
- Legen Sie sofort auf, wenn ein unerwarteter Anruf um Geld, Vermögen oder persönliche Daten bittet.
- Seien Sie skeptisch gegenüber den Geschichten der Anrufer und lassen Sie sich nicht täuschen.
- Die Polizei oder Staatsanwaltschaft wird niemals anrufen, um über Unfälle oder Kautionszahlungen zu informieren.
- Rufen Sie bei Zweifeln die Behörde an, von der die angebliche Amtsperson stammt.
- Warnen Sie Angehörige und Bekannte vor dieser Betrugsmasche.
- Übergeben Sie niemals Geld an Unbekannte.
- Wenn Sie Opfer geworden sind, wenden Sie sich umgehend an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.
Dirk Richter, Kriminalhauptkommissar, steht für Rückfragen zur Verfügung.
Polizeipräsidium Nordhessen
Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg
Pommernstr. 41
34497 Korbach
Pressestelle
Telefon: 05631/971 160 oder -161
Fax: 0611/32766-1012
E-Mail: pp-poea-korbach-ast.ppnh@polizei.hessen.de
http://www.polizei.hessen.de
In einem ähnlichen Fall in Reutlingen erbeuteten Betrüger 1 Million Euro. Auch die Ermittlungen des FBI führten zu einem spektakulären 400.000-Euro Kriminalfall. Zudem gab es Berichte über Angreifer, die einen Ticket-Kontrolleur ins Krankenhaus prügelten.
Seniorin wählt hundertfach den Notruf
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