Am 05.08.2026 führten bayerische Staatsanwaltschaften in Kooperation mit der Bundespolizei umfangreiche Ermittlungen gegen die organisierte Schleusungskriminalität durch. In diesem Zusammenhang wurden drei Haftbefehle sowohl im Inland als auch im Ausland vollstreckt, sowie sechs Durchsuchungsbeschlüsse in Deutschland umgesetzt. Die Ermittlungen, die von den Staatsanwaltschaften in Traunstein, Landshut und Weiden i.d.OPf. geleitet werden, sind Teil einer von Europol koordinierten Operational Task Force und richten sich insbesondere gegen Mitglieder eines Familienclans, die verdächtigt werden, in erheblichem Maße in die Schleusungskriminalität verwickelt zu sein.
Im Rahmen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Traunstein wird den Beschuldigten vorgeworfen, seit Oktober 2024 in fünf Fällen mindestens 125 überwiegend syrische Staatsangehörige unter extrem gefährlichen Bedingungen von Libyen über das Mittelmeer nach Italien und anschließend nach Deutschland geschleust zu haben. Die Verdächtigen sollen Teil eines internationalen Netzwerks sein, das Verbindungen zu einer Miliz in Libyen aufweist. Die Geschleusten wurden mit überfüllten und nicht seetauglichen Booten transportiert, wobei den Passagieren keine Sicherheitsvorkehrungen zur Verfügung standen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die erheblichen Risiken für die Geschleusten bewusst in Kauf nahmen, um ihre Aktivitäten profitabel zu gestalten. Die Geschleusten sollen zwischen 6.500 und 7.800 Euro pro Person gezahlt haben, was den Verdächtigen Gewinne von mindestens 875.000 Euro eingebracht haben könnte. Der Hauptbeschuldigte, ein 26-jähriger syrischer Staatsangehöriger, wurde am 07.02.2025 bei einem Versuch, unerlaubt nach Deutschland einzureisen, mit mutmaßlichem Falschgeld im Wert von 77.350 Euro festgenommen.
Zusätzlich wurde im Rahmen der Ermittlungen ein hochrangiger Schleuser in Serbien festgenommen. Der 31-jährige Syrer steht im Verdacht, zwischen April und November 2022 für 17 Fälle des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern verantwortlich zu sein. Dabei sollen mindestens 152 Migranten, überwiegend syrische Staatsangehörige, auf verschiedenen Etappen der zentralen Balkanroute bis nach Deutschland geschleust worden sein.
Der Beschuldigte, der dem „Sarawi“-Clan angehört, soll die Organisation und Durchführung der Schleusungen geleitet haben. Die Ermittlungen begannen bereits 2022 und wurden ab 2023 von der Staatsanwaltschaft Landshut übernommen. Aufgrund seiner Rolle wurde er als „High Value Target“ eingestuft.
Im Rahmen eines weiteren Verfahrens wurde in Belgrad ein mutmaßliches Mitglied einer Schleuserbande festgenommen. Dieser 32-jährige Syrer soll an mindestens 37 Fällen des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern zwischen Juni 2023 und Juni 2024 beteiligt gewesen sein, wobei insgesamt mindestens 625 Menschen transportiert wurden.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften erfolgen nach dem „Traunsteiner Modell“, das 2018 zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität eingeführt wurde. Die spezialisierten Abteilungen arbeiten eng mit internationalen Behörden zusammen, um die Hintermänner von Schleuserbanden und anderen Kriminalitätsformen zu ermitteln.
Die laufenden Einsatzmaßnahmen in Saarbrücken involvieren derzeit rund 240 Einsatzkräfte. Über die Ergebnisse der Durchsuchungen wird informiert, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Quellen: presseportal, n-tv
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