Die erschütternden Ereignisse in Stade, bei denen am Montag sechs Menschen ums Leben kamen, haben tiefe Trauer ausgelöst. Eine Polizeisprecherin bestätigte am Dienstagmorgen, dass die zunächst verbreiteten Informationen über mehrere Schwerverletzte nicht zutreffend waren. Die betroffenen Personen, darunter vier Frauen und zwei Männer, erlitten tödliche Verletzungen. Derzeit läuft die Identifizierung der Verstorbenen.
Ursprung des Vorfalls
Der Vorfall steht offensichtlich im Kontext eines Sorgerechtsstreits. Die Polizeipräsidentin von Lüneburg, Kathrin Schuol, erläuterte, dass die Opfer Angestellte einer Jugendhilfeeinrichtung sowie des Jugendamts waren. Diese hatten am Montag einen Termin in der Einrichtung mit dem 45-jährigen Verdächtigen, um über das Sorgerecht für dessen drei Monate alte Tochter zu verhandeln. Berichten zufolge handelte es sich um ein Hilfeplangespräch. Ähnliche Vorfälle, wie der Bericht über einen Berliner Jugendklub, zeigen, wie komplex solche Situationen sein können.
Unbeteiligte Mutter und Kind
Die Mutter des betroffenen Kindes sowie das Baby blieben bei dem Vorfall unverletzt. Das Kind war zuvor aus der Familie genommen worden, durfte jedoch unter bestimmten Bedingungen zurückkehren, allerdings nicht an den Wohnort der Mutter in Hannover, sondern in die Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Nach dem Vorfall wurde das Kind in die Obhut des Jugendamts gegeben, während die 34-jährige Mutter in Gewahrsam genommen wurde, um vernommen zu werden.
Details zur Tat und Festnahme
Der genaue Ablauf der Geschehnisse ist bislang noch unklar. Die Polizei erhielt mehrere Notrufe, die am Montagmittag gegen 12 Uhr eingingen. Die eintreffenden Beamten fanden eine schreckliche Szene vor: Vier Menschen waren bereits tot, während eine weitere Person nach erfolgloser Reanimation verstarb. Eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der mutmaßliche Täter flüchtete in einem Auto, das von einer 65-jährigen Frau gelenkt wurde. Die Polizei konnte das Fluchtfahrzeug durch Schüsse stoppen und den Verdächtigen festnehmen. Solche Vorfälle erinnern an andere tragische Ereignisse, wie den Fall, bei dem Angreifer einen Ticket-Kontrolleur ins Krankenhaus prügelten.
Waffenbesitz und laufende Ermittlungen
Bei der Festnahme wurde eine Waffe beschlagnahmt, deren Art aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben wurde. Der Tatverdächtige hatte keine Erlaubnis zum Führen einer Waffe. Die 65-jährige Fahrerin des Fluchtwagens, die enge Verbindungen zur Familie des Verdächtigen hat, wird ebenfalls befragt. Die Polizei stellte klar, dass durch die schnelle Festnahme keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand.
Identität des Verdächtigen
Der 45-jährige Verdächtige stammt aus Hannover, ist türkischer Staatsbürger und war bereits polizeilich bekannt, galt jedoch nicht als gewalttätig. Es gibt Hinweise auf mögliche Verbindungen zu einem großen Clan aus Hannover, doch die Polizei hat dies bislang nicht bestätigt. Der Mann befindet sich aktuell in Polizeigewahrsam, und ein Haftbefehl wurde noch nicht erlassen. Ob und wann ein solcher beantragt wird, hängt von den weiteren Ermittlungen ab.
Öffentliche Reaktionen
Die Ermittlungen zu den tödlichen Schüssen sind nach wie vor im Gange. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet, um Informationen aus der Bevölkerung zu sammeln. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich bestürzt über die Vorfälle und dankte den Einsatzkräften für ihre schnelle Reaktion. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich schockiert über die Gewalt an einem Ort, der eigentlich Schutz bieten sollte.
Politische Reaktionen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete die Vorfälle als erschütternd und warnte vor voreiligen Schlüssen. Innenministerin Daniela Behrens sprach von einer „kaltblütigen Gewalttat“, die nachhaltige Spuren hinterlassen werde. Der CDU-Vorsitzende in Niedersachsen, Sebastian Lechner, drückte ebenfalls sein Beileid aus und betonte die Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung der Hintergründe. Ein ähnlicher Vorfall, bei dem ein Fahrzeug in eine Synagoge raste, zeigt, wie weit verbreitet solche Gewalttaten sind.
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Quellen: NDR, tagesschau