Die Norwegische Waldkatze, auch als Norweger bekannt (norwegisch: norsk skogkatt), ist eine ursprüngliche Katzenrasse, die sich über lange Zeiträume ohne gezielte Zucht entwickelt hat. Diese regionale Hauskatze Norwegens wurde in den 1930er Jahren erneut domestiziert und zählt seit den 1970er Jahren zu den „natürlichen Rassen“. Die Norwegische Waldkatze zeichnet sich durch ihre Größe, Robustheit und das halblange Fell aus, das einen markanten buschigen Schwanz und eine ausgeprägte Halskrause umfasst.
Ursprung und Zuchtgeschichte
Die genauen Ursprünge der Norwegischen Waldkatze sind nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Seefahrer einst Perserkatzen als Schiffskatzen mitbrachten, die sich mit einheimischen Hauskatzen kreuzten und so zur heutigen Rasse führten. Auch natürliche Mutationen verwilderter Hauskatzen könnten eine Rolle gespielt haben.
Die gezielte Zucht der Norwegischen Waldkatze begann in den 1930er Jahren mit der Gründung eines Zuchtprogramms. 1938 wurde die Rasse erstmals auf einer Ausstellung in Oslo präsentiert. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs kam die Zucht jedoch zum Stillstand. In den frühen 1970er Jahren wurde die Zucht wieder aufgenommen. Im September 1972 erhielt die Norwegische Waldkatze einen vorläufigen Standard und wurde von norwegischen Vereinen als eigenständige Rasse anerkannt. 1972 wurde sie sogar zur Norwegischen Nationalkatze ernannt. Die ersten Zuchtkatzen wurden 1975 bei der FIFé registriert, und 1977 erhielt die erste Norwegische Waldkatze, Pans Truls, den vollen Zertifikatsstatus bei der FIFé. Die Rasse fand auch in anderen europäischen Ländern schnell Interesse und erfreut sich seit den 1980er Jahren wachsender Beliebtheit.
Merkmale und Erscheinungsbild
Die Norwegische Waldkatze gehört zu den Halblanghaarkatzen und zählt neben der Maine Coon und der Ragdoll zu den größten Rassekatzen. Ihr Erscheinungsbild ist an das raue Klima ihrer skandinavischen Heimat angepasst. Sie ist groß, kräftig und muskulös, mit einem doppellagigen Fell, das aus dichter Unterwolle und stark wasserabweisendem Deckhaar besteht. Die langen, glänzenden Deckhaare sind leicht ölig, was sie wasserabweisend macht. Im Winter trägt die Norwegische Waldkatze ein besonders dickes Winterfell, das sie vor extremen Temperaturen und Nässe schützt. Im Sommer ist das Unterfell spärlicher, während die langen Schwanzhaare erhalten bleiben.
Im Vergleich zur Europäischen Hauskatze ist die Norwegische Waldkatze größer und meist getigert oder schwarz, oft mit weißen Abzeichen. Die Rasse hat einen langgestreckten Körper und wirkt hochbeiniger als die Maine Coon oder die Sibirische Katze. Ihr Gesicht hat eine dreieckige Form, die durch große, hochplatzierte Ohren mit Haarbüscheln und langen Schnurrhaaren betont wird. Der Schwanz ist lang und buschig, und das Kinn ist kräftig. Die Norwegische Waldkatze erreicht ihre volle Größe und ihr Endgewicht erst im Alter von drei bis vier Jahren.
Verhalten und Charakter
Die Norwegische Waldkatze ist bekannt für ihr sanftes und gutmütiges Wesen. Sie gilt als unkompliziert und verspielt und entwickelt eine enge Bindung zu ihren Menschen. Diese Katzen sind gesellig und akzeptieren in der Regel auch andere Katzen in ihrem Umfeld.
Rassestandard
Der Rassestandard der Norwegischen Waldkatze umfasst folgende Merkmale:
- Kopf: dreieckige Form, alle Seiten gleich lang, hohes Profil, leicht gerundete Stirn, langes gerades Profil ohne Unterbrechung.
- Kinn: kräftig.
- Ohren: groß, an der Basis breit, spitz zulaufend, mit luchsartigen Haarpinseln und langen Haarbüscheln.
- Augen: groß, oval, gut geöffnet, leicht schräg gestellt, alle Farben erlaubt.
- Körper: lange Struktur, kräftiger Knochenbau.
- Beine: kräftig, hochbeinig, Hinterbeine höher als Vorderbeine.
- Pfoten: groß, rund mit „Schneeschuhen“.
- Schwanz: lang und buschig, mindestens bis zu den Schulterblättern.
- Fell: halblange Struktur, wolliges Unterfell, wasserabstoßendes Deckhaar, lange grobe Grannenhaare.
- Farbe: Alle Farben sind zugelassen, einschließlich aller Farben mit Weiß, mit Ausnahme von Pointed-Abzeichen, Chocolate, Lilac, Cinnamon und Fawn.
Seit dem 1. Januar 2005 sind bei der FIFé auch die Farben Amber und Amber-Light anerkannt, die bei erwachsenen Tieren zur Geltung kommen. Diese Tiere werden mit einem kontrastreichen Tabbymuster geboren, das mit dem Alter verblasst.
Mythologie und Kultur
Die weit verbreitete Behauptung, dass Abbildungen der Norsk Skogkatt auf alten Wikingermünzen zu finden seien, ist nicht korrekt, da von den Wikingern keine Münzen geprägt wurden. In der altnordischen Mythologie zogen zwei Katzen den Wagen der Fruchtbarkeitsgöttin Freya, jedoch gibt es in der Edda keine Beschreibung von Langhaarigkeit. In norwegischen Märchen finden sich Hinweise auf zauberhafte Katzen mit langen, buschigen Schwänzen.
Die Norwegische Waldkatze ist somit nicht nur eine faszinierende Rasse mit einzigartigen Eigenschaften, sondern auch ein Teil der kulturellen Identität Norwegens.
Quellen: de.wikipedia