Veröffentlichung von „Vaterland“ zum zehnten Todestag von Dieter Bongartz
Der März Verlag bringt zehn Jahre nach dem Tod von Dieter Bongartz dessen Roman „Vaterland“ heraus. Dieses Werk entstand nach der Krebsdiagnose des Autors und wird nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Dieter Bongartz wurde 1951 in Dülken geboren und verstarb am 18. November 2015 in Köln. In der Stadt war er vor allem als Drehbuchautor, Filmemacher und als Leiter der Kölner Schreibschule für Jugendliche bekannt. In „Vaterland“ erzählt ein Erzähler von seiner Familiengeschichte, die von den Straßen Quedlinburgs zur Zeit der Weimarer Republik bis zu den weiten Landschaften des Niederrheins reicht. Der Vater kehrt nach einem Kopfschuss mit einer halbseitigen Lähmung von der Ostfront zurück, während der Erzähler im Angesicht des Todes erkennt, wie fremd er sich selbst war. Der Verlag beschreibt das Buch als sprachliches Experiment, das verschiedene Dialekte, Binsen und Schüttelreime miteinander verbindet.
Besondere Umstände der Veröffentlichung
Die Veröffentlichung des Romans ist einer besonderen Geschichte zu verdanken. Richard Stoiber, der heute die Leitung des März Verlags innehat, war als Jugendlicher Schüler in der von Bongartz geleiteten Kölner Schreibschule. Kurz vor Bongartz‘ Tod übergab dieser ihm das Manuskript, das Stoiber damals nicht veröffentlichen konnte. Jahre später erhielt er den Text erneut, diesmal über den Schwiegersohn von Bongartz, Patrick Findeis, der mittlerweile die Kölner Schreibschule leitet.
Stoiber äußerte sich über das Manuskript und betonte, dass ihm beim Lesen schnell klar wurde, wie herausragend das Buch ist. Er hob hervor, dass der Umgang mit der Sprache so souverän sei, dass der Text selbst in den assoziativsten Gedankenströmen nicht auseinanderfällt. Stoiber entschied, das Buch zu Bongartz‘ zehntem Todestag zu veröffentlichen.
Reaktionen und Ausblick
Bislang haben die Feuilletons den Roman nicht behandelt. Stoiber sieht darin jedoch keinen Grund, von der Veröffentlichung abzusehen. Er betonte, dass es möglicherweise ein Vorteil eines Verlags sei, der oft in prekären Verhältnissen arbeite, solche Bücher dennoch herauszubringen, wenn man von ihnen überzeugt sei. Der März Verlag wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.
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