Wolfgang Niedecken, der Sänger der Band BAP, steht kurz vor seinem 75. Geburtstag und reflektiert über sein Leben als Musiker und Kölner in seiner Heimatstadt.
Die Severinstraße als prägender Ort
Die Severinstraße hat für Niedecken eine ähnliche Bedeutung wie die Penny Lane für John Lennon und Paul McCartney. Diese Straße war ein zentraler Ort seiner Jugend in der Kölner Südstadt. Wenn er heute dort entlanggeht, sieht er eine vergangene Welt, die in seiner Erinnerung lebendig bleibt. Anlässlich seines bevorstehenden Geburtstags am 30. März blickt er auf seine Kindheit und Jugend zurück.
Kindheitserinnerungen und Gerüche
Niedecken erinnert sich an die Gerüche seiner Kindheit, wie den süß-herben Duft der Reissdorf-Brauerei und den bitteren Geruch von Rohkakao aus der Schokoladenfabrik Stollwerck. Seine Kindheit spielte sich in einem kleinen Radius ab, und er zeigt auf eine Bäckerei, in der seine Mutter arbeitete, bevor sie seinen Vater traf. Er wuchs in einem Gründerzeithaus auf, dessen Fassade bis zum ersten Stock verkachelt ist. Während seiner Abwesenheit in der Türkei nutzten seine Eltern die Gelegenheit, den Stuck abzuschlagen, was ihn damals sehr ärgerte.
Erinnerungen an das Elternhaus
Das heutige Reisebüro in seinem ehemaligen Zuhause lässt Niedecken an die Zeit zurückdenken, als sein Vater dort ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Er begleitete seinen Vater oft zur Markthalle und zum Hafen, was für ihn eine große Welt darstellte. Diese Erlebnisse weckten bereits früh sein Reisefieber, das ihn bis heute begleitet.
Der Rhein als Symbol der Ferne
Der Rhein war für Niedecken ein Symbol für Abenteuer und Ferne. Er verbrachte viele Stunden damit, den Frachtschiffen nachzuschauen, die in verschiedene Richtungen fuhren. An heißen Sommertagen übernachtete die Familie oft am Rheinufer, und er erinnert sich an die Geräusche der Erwachsenen und das Rauschen der Wellen, während er in einem VW-Bus schlief. Unter der Woche spielte er in den Trümmern der Stadt und fand dort Kaffeelöffel, was für ihn ein aufregendes Abenteuer war.
Die Anfänge der Band BAP
Die Familie Niedecken lebte zunächst in der zweiten Etage ihres Hauses, von wo aus er die Severinstorburg, ein historisches Stadttor, sehen konnte. Diese Burg inspirierte ihn zu vielen Zeichnungen. Seine Eltern hatten ihr Schlafzimmer am anderen Ende der Wohnung, was bedeutete, dass er nachts oft zu ihnen gehen musste, wenn er Angst hatte. Sein Vater ließ ihn immer zu sich ins Bett, was Niedecken als sehr wichtig für seine Kindheit empfand. Der Name der Band BAP stammt von seinem Vater, der von seinen Musikerkollegen als „Bap“ bezeichnet wurde, was für „Papa“ steht.
Schulzeit und erste musikalische Schritte
Niedecken besuchte die Volksschule Zwirnerstraße, wo es einen klaren Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gab. Hier lernte er Hochdeutsch, während er Kölsch als seine Muttersprache sprach. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2011 musste er die deutsche Sprache neu erlernen, während er im Kölsch keine Schwierigkeiten hatte. An der Severinskirche, wo er getauft wurde, trat er in den 1960er Jahren mit seiner ersten Schülerband „The Convikts“ auf.
Die Bedeutung des „Chlodwig-Eck“
Die Anfänge von BAP sind eng mit dem „Chlodwig-Eck“ verbunden, wo Niedecken seine ersten Texte schrieb und die ersten Konzerte gab. Diese Location war ein wichtiger Ort für die Band, die in den 1980er Jahren während des Ost-West-Konflikts und der Friedensbewegung aktiv war.
Reflexion über das Leben und die Karriere
Bei einem Besuch in einem Café reflektiert Niedecken über sein Leben und stellt fest, dass er viel Glück hatte. Er ist sich bewusst, dass er bald 75 Jahre alt wird und denkt über die Zeit nach, die er bereits hinter sich hat. Der Schlaganfall vor 15 Jahren hat ihn geprägt, und er ist dankbar, dass seine Frau in der kritischen Situation richtig reagierte. Er hätte viel verpasst, wenn er damals verstorben wäre, insbesondere die Zeit mit seinen drei Enkelkindern.
Erfolgreiche Rückkehr der Band BAP
In den letzten Jahren hat BAP eine bemerkenswerte Rückkehr erlebt. Mit dem Live-Album „Zeitreise“ erreichte die Band erneut hohe Chartplatzierungen und feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Auftritt im Kölner Rheinenergie-Stadion. Eine neue Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz ist ebenfalls geplant.
Die Severinstraße bleibt ein wichtiger Ort
Wenn Niedecken durch die Severinstraße geht, wird er oft von Fans angesprochen, die ihm für seine Musik danken. Obwohl er mittlerweile in einem anderen Stadtteil mit Garten und Rheinblick lebt, bleibt die Severinstraße für ihn ein zentraler Ort seiner Erinnerungen und seines Lebens.
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