In Brandenburg wurden kürzlich fünf Elche gleichzeitig gesichtet – ein Ereignis, das von Wildtierexperten als äußerst bemerkenswert eingestuft wird. Diese Tiere stammen wahrscheinlich aus einer Population in Nordostpolen und wurden in verschiedenen Regionen, wie dem Oder-Spree-Kreis, der Nuthe-Nieplitz-Region, Barnim und Spreeau, gesichtet.
Der Wildbiologe Frank-Uwe Michler, der an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde tätig ist, betreut in Zusammenarbeit mit dem Landeskompetenzzentrum Forst das Elch-Monitoring. Er bezeichnete die gleichzeitige Sichtung von fünf Elchen als einen historischen Rekord für Brandenburg. Michler erläuterte zudem, dass das Bundesland eine zentrale Rolle für die Wanderungen von Elchen nach Deutschland spielt. Die Tiere durchqueren Polen, schwimmen die Oder entlang und erreichen schließlich die Brandenburger Landschaft.
Die Sichtungen zeigen unter anderem zwei Elche im Oder-Spree-Kreis, den bekannten Elch Bert in der Nuthe-Nieplitz-Region sowie einen weiteren jungen Bullen im Barnim. Besonders auffällig ist die Beobachtung von zwei Elchen in der Nähe von Grünheide am Autobahndreieck Spreeau, da Elche in der Regel Einzelgänger sind. Zudem wurde Anfang Juni ein Elch an einer Grünbrücke an der A12 durch eine Fotofalle erfasst.
Trotz ihrer relativen Seltenheit in Brandenburg gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr dieser Tiere. Michler hebt hervor, dass die Region mit ihren Feuchtgebieten, Schilfflächen und dünn besiedelten Landschaften optimale Lebensräume bietet. Sollte es während der Brunftzeit zu Begegnungen zwischen Männchen und Weibchen kommen, könnte sich möglicherweise eine kleine Population entwickeln. Langfristig hält Michler die Ansiedlung von bis zu 20 Elchen in Brandenburg für realistisch.
Allerdings stellt der Sommer mit seinen hohen Temperaturen eine Herausforderung für die Elche dar, die an kühlere Klimazonen angepasst sind. Bereits Temperaturen über fünf Grad Celsius im Winter können für die Tiere belastend sein, während sie sich bei mehr als 20 Grad im Sommer unwohl fühlen. Um diesen Bedingungen zu entfliehen, ziehen sie häufig in Feuchtgebiete, wo sie stundenlang im Wasser stehen oder sich tagsüber in Schilf- und Moorlandschaften verstecken. Ihre nächtliche Aktivität erklärt, warum Begegnungen mit Menschen trotz ihrer Größe selten sind.
Um den Umgang mit Elchen in Brandenburg besser zu regeln, wird derzeit ein neuer Managementplan erarbeitet, der in naher Zukunft veröffentlicht wird. Dieser Plan soll klare Vorgaben festlegen, wie Behörden reagieren sollten, wenn ein Elch beispielsweise auf einer Autobahn auftaucht oder in der Nähe von Siedlungen gesichtet wird.
Quellen: tagesschau, Fünf Elche streifen zurzeit durch Brandenburg, Neuer Rekord: Gleich fünf Elche streifen durch Brandenburg
Bildquelle: Diego Delso via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)