Seit dem Ausbruch des Konflikts im Iran warnen Ökonomen vor einer ansteigenden Inflation. Die hohen Energiekosten könnten die Preise in vielen Bereichen in die Höhe treiben, was bereits an einigen Stellen sichtbar wird. Besonders interessant ist, welche Preise jetzt steigen.
Inflationsprognosen und Verbraucherpreise
Die Prognosen der Ökonomen sind eindeutig: In den kommenden Wochen ist mit einem deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise zu rechnen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, äußerte sich dazu und erklärte, dass sich bereits eine Inflationswelle aufbaue.
„Wir sehen es ja gerade schon an den Tankstellen, und das wird weitergehen: Transportkosten werden steigen, Nahrungsmittelpreise werden steigen und sehr wahrscheinlich im nächsten Winter auch die Heiz- und Stromkosten,“
so Brzeski.
Kostendruck in der Lebensmittelindustrie
Obwohl große Preiserhöhungen in den Supermärkten bislang ausgeblieben sind, könnte sich dies bald ändern. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) schlägt Alarm. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Verbands, betont:
„Ohne Energie laufe kein Backofen, keine Trocknungsanlage und keine Kühlung.“
Zudem müssen Unternehmen in der Lebensmittelbranche mit steigenden Preisen für Verpackungen und Transport rechnen.
„Die Kosten steigen damit entlang der gesamten Wertschöpfungskette,“
fügte Minhoff hinzu. Viele Lebensmittelhersteller hätten kaum noch Puffer, um diese Kosten abzufangen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu beachten, dass Heizölpreise fallen.
Einzelhandel und Transportkosten
Im Einzelhandel sind die hohen Kraftstoffpreise ebenfalls ein bedeutendes Thema, insbesondere im Hinblick auf den Transport der Waren. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), erklärte, dass Handelsunternehmen oft durch langfristige Verträge mit Logistikpartnern oder eigenen Tankstellen weniger stark von den steigenden Kraftstoffpreisen betroffen seien.
„Wenn allerdings die Kostenexplosionen, gerade bei Kraftstoffen, länger und deutlicher anhalten, wird das auch an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden müssen,“
so Genth. Auch die Entwicklungen im Iran-Konflikt spielen hier eine Rolle.
Preisanstieg im Reiseverkehr
Die Reisebranche hat bereits deutliche Auswirkungen des Iran-Konflikts zu spüren bekommen. Insbesondere Langstreckenflüge nach Asien sind teurer geworden, da wichtige Drehkreuze in den Golfstaaten nicht wie gewohnt angeflogen werden können. Harald Zeiss, Professor für Tourismus an der Hochschule Harz in Wernigerode, erläuterte:
„Die Ticketpreise insgesamt seien aber weniger stark gestiegen als der Preis für Kerosin, da die Airlines ihren Treibstoffbedarf oft weit im Voraus zu festen Preisen einkaufen.“
Diese Strategie fungiere als eine Art Versicherung gegen schwankende Energiemärkte. Allerdings, so Zeiss, leere sich dieser Puffer:
„Wenn die Verträge auslaufen und zu aktuellen Preisen nachgekauft werden muss, könnten die vollen Kostensteigerungen erst im Herbst und Winter in den Tickets sichtbar werden.“
Aktuelle Preisdaten und zukünftige Entwicklungen
Die offiziellen Preisdaten des Statistischen Bundesamtes spiegeln die Inflationswelle bislang noch nicht wider, da es dafür zu früh ist. Indikatoren wie die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte oder die Großhandelspreise sind nicht in Echtzeit verfügbar. Eines ist jedoch klar: Je länger der Konflikt im Iran andauert und die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto gravierender werden die Auswirkungen sein.
Hoffnung auf ein Ende des Konflikts
Es besteht jedoch die Hoffnung, dass der Konflikt bald beendet wird. Professor Julian Hinz, Handelsexperte am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), ist der Ansicht, dass sich in diesem Fall eine massive Inflationswelle in Deutschland noch abmildern ließe.
„Würde von jetzt auf gleich die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, dann würde man vermutlich am Ende gar nicht so viel merken,“
sagte Hinz. Die Auswirkungen für die Verbraucher wären dann vor allem an den Tankstellen sichtbar.
Globale Auswirkungen der Preiserhöhungen
Die Situation sieht jedoch in anderen Teilen der Welt anders aus, insbesondere in Regionen, die stärker von Waren und Rohstoffen aus der Krisenregion abhängig sind, wie im südlichen Asien oder im südlichen Afrika. Laut IfW-Forscher Hinz könnten hohe Gaspreise und der Mangel an Dünger dort zu einer Ernährungskrise führen.
„Es geht dort nicht nur um steigende Preise, sondern um eine echte Knappheit an Lebensmitteln und Energie,“
so Hinz abschließend.
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