„Die Aufholjagd ist vorbei“, erklärt Samuel Greiff, der Leiter der deutschen PISA-Studie. Die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie offenbaren die schlechtesten Leistungen, die Deutschland seit Beginn der Erhebung verzeichnen musste.
Die Daten sind deutlich: In den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften schneiden die Jugendlichen in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Jeder dritte Jugendliche hat Schwierigkeiten, grundlegende Fähigkeiten im Lesen und Rechnen zu zeigen, während etwa 25 Prozent der Schüler in Naturwissenschaften nicht das erforderliche Kompetenzniveau erreichen.
Ergebnisse und Trends
Die PISA-Studie, die in mehr als 90 Ländern durchgeführt wird, prüft die Fähigkeit von 15-Jährigen, ihr Wissen in praktischen Lebenssituationen anzuwenden. Dazu gehört das Verstehen komplexer Texte sowie das Analysieren von Informationen aus Grafiken. Die Leistungen in Deutschland liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren.
„Seit 2015 beobachten wir einen kontinuierlichen Rückgang“, sagt Greiff. Damals erreichten die Schüler noch über 500 PISA-Punkte in Mathematik; aktuell sind es nur noch 464 Punkte.
Internationale Lesefähigkeit im Fokus
Die OECD äußert Besorgnis über die abnehmende Lesekompetenz weltweit. Das Lesen gilt als Grundlage für weiteres Lernen, und fehlendes Verständnis von Textaufgaben wirkt sich negativ auf andere Bereiche aus. Komplexe Texte stellen für viele Jugendliche eine Herausforderung dar und tragen zu einer steigenden Zahl von „hasty readers“ bei, die Texte nur oberflächlich betrachten und oft falsche Antworten liefern.
„Im Kontext der Künstlichen Intelligenz ist dies alarmierend“, sagt Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD. Zukünftige Fähigkeiten wie kritisches Denken und die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, gehen zurück.
Erfolgsmodelle anderer Länder
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es auch anders geht. Länder wie Singapur, Japan, Estland und Südkorea haben leistungsstarke Bildungssysteme, die nicht nur auf einmalige Reformen setzen, sondern kontinuierlich optimiert werden. In Kanada beispielsweise wird frühzeitig ermittelt, wo Schüler Schwierigkeiten haben, und es erfolgt gezielte Unterstützung.
Estland verfolgt ein durchdachtes Digitalisierungskonzept, das bereits im Kindergarten beginnt. Dort lernen Kinder frühzeitig den Umgang mit digitalen Medien, was sich positiv auf ihre spätere Bildung auswirkt.
Soziale Ungleichheit im Bildungssystem
Ein persistierendes Problem in Deutschland ist die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Die Kluft zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen ist laut Greiff seit 2015 gewachsen. Dabei sei die entscheidende Trennlinie nicht die Zuwanderungsgeschichte, sondern die soziale Lage der Familien.
Im Vergleich dazu zeigt England, dass gezielte finanzielle Unterstützung für Schulen in schwierigen sozialen Lagen deutliche Verbesserungen bewirken kann. Diese Schulen haben mehr Mittel zur Verfügung und können individuell entscheiden, wie sie diese einsetzen.
Positive Ansätze in Deutschland
Trotz der negativen Ergebnisse gibt es auch Lichtblicke in Deutschland. Das Startchancen-Programm soll rund 4.000 Schulen über einen Zeitraum von zehn Jahren gezielt unterstützen. Für diese Initiative stellen Bund und Länder insgesamt 20 Milliarden Euro zur Verfügung.
Die Herausforderungen liegen laut Greiff jedoch in der praktischen Umsetzung. Es gilt, erfolgreiche Konzepte langfristig im Bildungssystem zu verankern und Kinder frühzeitig zu fördern sowie Schwierigkeiten schnell zu erkennen.
Die entscheidende Frage nach 25 Jahren PISA ist nicht nur, was Deutschland tun könnte, sondern vielmehr, ob es gelingt, das vorhandene Wissen dauerhaft im Schulalltag umzusetzen.
PISA-Studie
OECD
Bildungsdefizite
Quellen: tagesschau
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.