Schlaf-Apps, die eine Verbesserung der Schlafqualität versprechen, können in einigen Fällen das Gegenteil bewirken. Eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Bergen in Norwegen hat ergeben, dass insbesondere bestimmte Nutzergruppen unter den digitalen Schlafhelfern leiden. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Fachjournal „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht.
Für die Studie wurden 1.002 Erwachsene zu ihrem Schlafverhalten und ihren Erfahrungen mit Schlaf-Apps befragt. Die meisten dieser Anwendungen nutzen Sensoren in tragbaren Geräten wie Smartwatches oder Fitnessarmbändern, um Daten wie Einschlafdauer, Schlafdauer und Schlafeffizienz zu erfassen und Rückmeldungen zu geben.
Positive Effekte und negative Auswirkungen
Etwa 46 Prozent der Befragten gaben an, Schlaf-Apps zu nutzen oder genutzt zu haben. Von diesen berichteten 48 Prozent, dass sie durch die Apps mehr über ihren Schlaf erfahren haben, während 15 Prozent eine Verbesserung ihrer Schlafqualität feststellten. Allerdings gibt es auch negative Aspekte: 17 Prozent der Nutzer äußerten, dass sie sich durch die Apps mehr Sorgen um ihren Schlaf machten, und 2,3 Prozent berichteten von einer Verschlechterung ihrer Schlafqualität.
Insomnie als Risikofaktor
Besonders betroffen von den negativen Effekten sind Menschen mit Schlafstörungen, insbesondere Insomnie. Diese Erkrankung ist durch Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen gekennzeichnet, was dazu führt, dass Betroffene sich trotz ausreichender Zeit im Bett nicht erholt fühlen und tagsüber beeinträchtigt sind. Die Studie zeigt, dass diese Gruppe besonders empfindlich auf die Rückmeldungen der Apps reagiert. Die ständige Kontrolle des Schlafs kann Stress und Angst verstärken, was wiederum zu einer weiteren Verschlechterung der Schlafqualität führt.
Orthosomnie: Ein neues Phänomen
In diesem Zusammenhang diskutieren Experten den Begriff „Orthosomnie“, der ein Verhalten beschreibt, bei dem Menschen zwanghaft versuchen, ihren Schlaf zu optimieren. Diese ständige Selbstüberwachung kann zu innerer Anspannung führen, die erholsamen Schlaf verhindert.
Altersunterschiede in der Reaktion
Die Studie zeigt auch, dass es deutliche Altersunterschiede in der Reaktion auf die Daten der Schlaf-Apps gibt. Besonders Nutzer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren berichteten häufig von Stress und Sorgen in Bezug auf ihre Schlafdaten, während ältere Nutzer in der Regel gelassener mit Schwankungen im Schlaf umgehen und diese als normal betrachten.
Empfehlungen der Forscher
Die Forscher raten zu einem bewussten Umgang mit Schlaf-Apps. Wer sich durch die gesammelten Daten gestresst fühlt, sollte sich über die Entstehung der Werte informieren. Falls dies nicht hilft, könnte es sinnvoll sein, das Tracking während der Nacht auszuschalten oder das Gerät abzulegen. Letztlich bleibt der eigene Körper oft der bessere Maßstab für die Schlafqualität als jede App. Zudem könnte die Zunahme von Teilzeitjobs und Rentnern auch Einfluss auf die allgemeine Gesundheit und damit auf den Schlaf haben.
Ein weiteres Beispiel ist die aktuelle Situation in Russland, wo der Kreml das mobile Internet drosselt, was ebenfalls Auswirkungen auf die Nutzung von Schlaf-Apps haben könnte.
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Bildquelle: ai-generated-gemini