Anfang der Woche hielt sich Brian Riemer, der dänische Nationaltrainer, noch bedeckt. Obwohl er bereits eine Entscheidung getroffen hatte, wer beim WM-Play-off-Spiel gegen Nordmazedonien im Tor stehen wird, wollte er den Namen nicht vorzeitig bekanntgeben.
„Ich habe meine Entscheidung getroffen und ich verstehe, dass es daran Interesse gibt“, erklärte Riemer am Montag. „Aber ich vermute auch, dass das Interesse in Nordmazedonien genauso groß ist, und deshalb will ich meine Karten nicht zu früh in der Presse spielen.“
Es könnte jedoch gut möglich sein, dass die Wahl auf Frederik Rönnow fällt. Der Torhüter des 1. FC Union Berlin hatte eigentlich bereits seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Auf Bitten von Riemer ist er jedoch zurückgekehrt und hat nun die Möglichkeit, als erster Spieler von Union Berlin bei einer WM auf dem Platz zu stehen.
Für Rönnow war dies lange Zeit ein unerfüllter Traum, der stets knapp außerhalb seiner Reichweite blieb. Er wurde immer wieder für die Nationalmannschaft nominiert und nahm zweimal an einer WM teil, musste jedoch stets die Reservistenrolle hinter dem prominenten Kasper Schmeichel einnehmen.
„Ich habe immer gesagt, dass ich Entscheidungen respektiere“, sagte Riemer. „Frederik ist ein erwachsener Mensch und Familienvater, der die für ihn richtige Entscheidung getroffen hat.“
In den letzten vier Jahren, in denen Rönnow sich bei Union etabliert hat, wurde diese Situation zunehmend paradox. Während er beim Verein immer mehr zur Legende aufstieg, blieb er in der Nationalmannschaft eine Art dänischer Marc-André ter Stegen, der im Schatten eines noch berühmteren Kollegen stand. Ende 2024 verlor Rönnow schließlich die Geduld und trat aus der Nationalmannschaft zurück.
Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht. In einer Medienrunde in Berlin erklärte er, dass er trotz seiner guten Deutschkenntnisse ins Englische wechselte, um Missverständnisse zu vermeiden. Er betonte, dass er nicht sauer auf Schmeichel oder die Nationaltrainer sei, sondern einfach als Vater von zwei kleinen Kindern mehr Zeit für seine Familie benötige.
Riemer zeigte Verständnis für diese Entscheidung. „Wir hatten ein super Gespräch und es hat mich sehr gefreut, dass er Lust hat, zurückzukommen und Dänemark zu helfen“, sagte der Trainer, als er vergangene Woche seinen Kader vorstellte.
Ein Jahr später meldete sich Riemer jedoch erneut bei Rönnow. Vor den Play-off-Spielen hatte Dänemark mit Torhüterproblemen zu kämpfen. Schmeichel unterzog sich einer Schulteroperation und hatte in den letzten Wochen kaum gespielt. Da auch Chelseas Filip Jörgensen verletzt war, wandte sich Riemer an Rönnow als mögliche Lösung.
„Wir hatten ein super Gespräch und natürlich hat es mich am allermeisten gefreut, dass er Lust hat, zurückzukommen und Dänemark zu helfen in einer Situation, in der wir ihn brauchen“, so Riemer.
Für den Trainer stellt Rönnows Rückkehr einen doppelten Vorteil dar. Einerseits füllt er eine Lücke, andererseits löst er ein langanhaltendes Problem. Schmeichel, der mit 39 Jahren nicht mehr die Form früherer Tage zeigt, war bereits vor seiner Verletzung ein umstrittenes Thema. Er wurde zum Symbol einer Nationalmannschaft, in der etablierte Spieler nicht mehr um ihre Positionen kämpfen müssen.
Wie der Kommentator Andreas Kraul betonte, stand Riemer vor einer „epochalen Entscheidung“ bezüglich der Torhüterposition. Rönnows Rückkehr erleichtert diese Entscheidung, da er nicht nur Erfahrung mitbringt, sondern auch die Möglichkeit bietet, das Ende der Schmeichel-Ära einzuleiten, ohne einen unerfahrenen Spieler ins kalte Wasser zu werfen.
- Frederik Rönnow hat bislang 10 Länderspiele für Dänemark bestritten.
Im aktuellen Kader ist Rönnow der einzige Torwart mit Länderspielerfahrung. Die jüngeren Torhüter Mads Hermansen und Andras Jungdal gelten zwar als vielversprechende Optionen für die Zukunft, sind jedoch auf dieser Bühne noch ungetestet. Rönnow hingegen hat bei Union immer wieder bewiesen, dass er in Drucksituationen bestehen kann. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass er am Donnerstag im Tor stehen wird.
Der Druck vor den Play-offs ist enorm. Dänemark war auf einem guten Weg zur direkten WM-Qualifikation, verlor jedoch in den letzten Gruppenspielen die Nerven. Nun müssen sie sich durch die Play-offs kämpfen, wobei ein Sieg gegen Nordmazedonien ein schwieriges Auswärtsspiel in Tschechien oder Irland zur Folge hätte. Nur mit zwei Siegen können sie ihr Gesicht wahren und Frederik Rönnow die unerwartete Möglichkeit zur WM-Teilnahme bieten.
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