Die Auswirkungen des Iran-Kriegs sind für deutsche Verbraucher bereits spürbar, insbesondere an den Tankstellen. Ein Ende des Konflikts ist jedoch nicht in Sicht, und je länger er anhält, desto mehr werden die Menschen im Alltag die Folgen zu spüren bekommen.
Aktuelle Berichte über den Krieg im Iran und in der Region dominieren die Nachrichten, während die Spritpreise weiterhin in den Schlagzeilen stehen. Die Bundesregierung hat kürzlich angekündigt, Teile der staatlichen Ölreserve freizugeben, um der Situation entgegenzuwirken. Dennoch bleibt die Situation angespannt, wie auch in dem Artikel über die Ölpreise beschrieben.
Trotz dieser Maßnahmen liegen die Preise für Diesel und Benzin nach wie vor um 10 bis 20 Prozent höher als vor dem Beginn des Konflikts vor anderthalb Wochen. Die Rohölpreise haben sich zudem wieder erhöht und bewegen sich nur knapp unterhalb der 100-Dollar-Marke.
Preisveränderungen durch den Iran-Krieg
Die Auswirkungen des Krieges sind vor allem an den Tankstellen spürbar. Die Preise für Benzin und Diesel reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen des Rohölpreises. Im Gegensatz dazu können andere Branchen Preisschwankungen über einen kurzen Zeitraum besser abfedern, ohne sofort die Preise anzuheben. Diese Möglichkeit ist jedoch zeitlich begrenzt.
Je länger der Konflikt und die damit verbundenen Blockaden andauern, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die Preise für andere Waren und Dienstleistungen steigen. Dies könnte weitreichende Konsequenzen für den Banken- und Immobilienmarkt haben. Letztlich werden die Verbraucher Preisveränderungen erleben, die nur indirekt mit den militärischen Auseinandersetzungen verbunden sind.
Die allgemeine Inflation
Der Ölpreis hat weitreichende Auswirkungen, die über Benzin und Diesel hinausgehen. Auch Lkw, Schiffe und Flugzeuge sind auf ölbasierte Treibstoffe angewiesen. Zudem verlangen Versicherungen höhere Prämien aufgrund des Kriegsrisikos, während Reeder die Frachtraten erhöhen. Dies führt zu höheren Transportkosten, die sich letztlich auf alle Waren auswirken.
Wie bereits während der Energiekrise 2022 wird auch die allgemeine Inflationsrate voraussichtlich wieder ansteigen. Wann und in welchem Umfang dies geschieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die ersten Branchen und Produkte, bei denen Verbraucher mit Preiserhöhungen rechnen müssen, sind:
- Reisen: Die Preise für Reisen, insbesondere in Richtung Asien, steigen bereits. Dies liegt unter anderem daran, dass wichtige Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi und Doha als Umsteigeflughäfen ausfallen, was zu Flugstreichungen führt. Der Ölpreis macht etwa 30 Prozent der Kosten eines Fluges aus. Der globale Luftfahrtverband IATA berichtete von einem Preisanstieg von fast 60 Prozent für Kerosin, was Flugtickets um fast 20 Prozent verteuert.
- Heizöl und Erdgas: Die Preise für Heizöl sind seit Kriegsbeginn um etwa ein Drittel gestiegen. Der Preis für Erdgas am niederländischen Handelspunkt TTF hat sich um 54 Prozent erhöht. Da die Heizperiode jedoch fast vorbei ist, wird sich dies nur geringfügig auf die Heizkosten auswirken. Sollte der Krieg länger andauern, müssen Verbraucher und Versorger jedoch Heizöl und Erdgas zu den hohen Preisen für den kommenden Winter einkaufen.
- Lebensmittel und Getränke: Diese Branchen sind stark transportabhängig, was bedeutet, dass steigende Transportkosten direkt auf die Endpreise wirken. Besonders betroffen sind frische Lebensmittel, die lange Transportwege zurücklegen müssen, sowie Getränke in Glasflaschen, da die Energiepreise auch die Glasproduktion beeinflussen. Kühl- und Tiefkühlprodukte werden ebenfalls teurer, gefolgt von Fleisch, Milch, Eiern und Backwaren.
- Düngemittel: Diese sind ebenfalls erdgasbasiert, wobei die Preisanstiege bisher bei etwa fünf Prozent liegen. Obwohl Düngemittel für Verbraucher nicht direkt entscheidend sind, benötigen Landwirte sie zur Ertragssteigerung. Teurere Düngemittel werden sich in den kommenden Monaten auf die Ernten oder die Betriebskosten auswirken, was letztlich zu höheren Preisen im Supermarkt führen kann.
- Versandkosten von Online-Bestellungen: Diese werden ebenfalls steigen. Während große Plattformen wie Amazon die Versandkosten deckeln, können kleinere Händler und Anbieter anderer Plattformen die Preise selbst festlegen. Insbesondere bei Express- und Auslandslieferungen erheben Logistikunternehmen wie DHL und UPS Treibstoffzuschläge.
- Möbel: Diese enthalten oft Kunststoffteile, deren Kosten durch steigende Ölpreise ebenfalls ansteigen. Möbel gehören zudem zu den transportintensiven Produkten.
- Baustoffe: Materialien wie Zement, Glas, Ziegel und Keramik werden unter hohen Temperaturen hergestellt, die durch Erdgas erzeugt werden. Die Baustoffindustrie zählt zu den energieintensivsten Branchen in Deutschland, was sich auch auf die Transportkosten auswirkt.
- Weitere petrochemische Produkte: Dazu zählen Kosmetika, Reinigungsmittel, Farben und Textilien, die ebenfalls vom Ölpreis abhängen. Hier wird der Effekt jedoch voraussichtlich später und weniger stark eintreten als bei den zuvor genannten Branchen.
Zinsen und die Immobilienbranche
Die direkten Preiserhöhungen für erdöl- oder transportintensive Produkte sind nur der Anfang. Diese Erhöhungen treiben die Inflation in die Höhe. Ein Blick auf die Energiekrise 2022 zeigt, dass die Inflationsrate damals einen Höchststand von 8,7 Prozent erreichte. Aktuell liegt sie bei 1,9 Prozent.
Steigen die Zinsen über den aktuellen Stand hinaus, wird die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen müssen. Höhere Leitzinsen wären die Folge, die während der Energiekrise auf bis zu 4,5 Prozent anstiegen. Derzeit liegen sie wieder bei 2,0 Prozent. Höhere Leitzinsen hätten folgende Auswirkungen:
- Erhöhung der Zinsen für Tagesgeld: Die Erträge von Tagesgeldkonten hängen stark vom Leitzins ab. Als dieser 2022 von 0 auf 4,5 Prozent anstieg, reagierten die Tagesgeldzinsen mit einem Anstieg von durchschnittlich 0,03 auf 2,6 Prozent. Seitdem sind sie analog zum Leitzins auf 1,8 Prozent gesunken. Höhere Leitzinsen würden somit zu einer höheren Rendite für Anleger führen.
- Teurere Kredite: Mit den Leitzinsen steigen auch die Kreditzinsen. Der Zusammenhang ist jedoch weniger direkt. Laut dem Finanzierer Interhyp stieg der durchschnittliche Zinssatz für Immobilienkredite mit 15 Jahren Zinsbindung 2022 von 1,3 auf 4,4 Prozent. Der Anstieg begann bereits vor der Zinswende der EZB. Obwohl die EZB die Leitzinsen seitdem mehr als halbiert hat, sanken die Immobilienzinsen nur leicht auf 3,8 Prozent. Bei steigenden Leitzinsen sind günstigere Immobilienkredite daher unwahrscheinlich.
- Günstigere Immobilien: Wenn die Kosten für Immobilienkredite steigen, können sich weniger Menschen eine Finanzierung leisten. Dies führt zu einem Rückgang der Nachfrage nach Immobilien, was sich auf die Preise auswirkt. Verkäufer müssen möglicherweise die Preise senken, um Käufer zu finden. Der Postbank Wohnatlas verzeichnete von 2022 auf 2023 einen Rückgang der durchschnittlichen Quadratmeterpreise um 4,2 Prozent. Inflationsbereinigt ergibt sich sogar ein Rückgang von 10,1 Prozent. Dennoch reichte dies nicht aus, um die höheren Zinskosten auszugleichen, sodass Immobilien durch die Finanzierung weiterhin teurer werden – wenn auch weniger stark als durch den Zinsanstieg allein.
Die Verbraucher stehen vor einer herausfordernden Zeit, in der die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Preise und die allgemeine wirtschaftliche Lage immer deutlicher werden. Der Sprit-Schock treibt viele Autofahrer ins Ausland, was die Situation zusätzlich kompliziert.
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