Zu Beginn der 1940er Jahre kam es in Berlin zu einer Reihe grausamer Morde, die die Stadt erschütterten. Diese Taten fanden in einer besonderen Situation während des Zweiten Weltkriegs statt, die dem Täter zugutekam.
Der Mörder, Paul Ogorzow, geboren 1912, war in den späten 1930er Jahren bei der Reichsbahn beschäftigt. In den S-Bahn-Zügen, in denen er nach seinen Opfern suchte, fiel er lange Zeit nicht auf. Aufgrund seiner Taten erhielt er den Namen, unter dem er bis heute im polizeihistorischen Archiv bekannt ist: „S-Bahn-Mörder“. Ogorzow tötete insgesamt acht Frauen und verletzte sechs weitere schwer.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs trat in Berlin die Verdunklungsverordnung in Kraft. Diese Regelung sollte verhindern, dass die Stadt ein Ziel für Luftangriffe wurde, und führte dazu, dass abends nur noch das nötigste Licht brennen durfte. Kriminelle, die im Schutz der Dunkelheit agierten, fanden dadurch erleichterte Bedingungen. Ogorzows Verwandlung zum Mörder dauerte jedoch einige Zeit.
Die Taten des S-Bahn-Mörders
Bereits 1938 begann Ogorzow, Frauen in der Nähe des S-Bahnhofs Rummelsburg zu belästigen. Erst zwei Jahre später beging er seine ersten Morde. Zwischen 1940 und 1941 war er häufig auf der S-Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Rummelsburg und Erkner unterwegs. In den Waggons befanden sich oft alleinreisende Frauen, die im Schichtdienst arbeiteten, während ihre Partner an der Front kämpften.
Ogorzows Vorgehensweise war stets ähnlich. Er fragte die Frauen nach ihren Fahrkarten, schlug sie dann mit einem Bleikabel nieder und verging sich an ihnen. Anschließend warf er sie aus der fahrenden Bahn. Auch in einer nahegelegenen Gartenkolonie vergewaltigte und tötete er Frauen. Nicht jeder Mordversuch war erfolgreich, und die Polizei hatte lange Schwierigkeiten, Ogorzow als Täter zu identifizieren.
Die Ermittlungen und Festnahme
Das Protokoll der Ermittler, das heute im polizeihistorischen Archiv aufbewahrt wird, dokumentiert die umfangreiche Fahndung nach dem Gesuchten. In diesem Protokoll wird festgehalten, dass an der Großfahndung zahlreiche Beamte der Mordkommission, Eisenbahnüberwachungsbeamte sowie ein Sonderkommando mit einem Kommissar und 20 weiteren Kriminalbeamten beteiligt waren.
Um Ogorzow zu fassen, setzten die Ermittler sogar Polizeibeamte in Frauenkleidern als Lockvögel ein. Diese Maßnahmen führten jedoch nicht zum gewünschten Erfolg. Der entscheidende Hinweis kam schließlich von einem verdeckten Ermittler der Kriminalpolizei. Zunächst bestritt Ogorzow die Vorwürfe, gestand jedoch später, dass seine Taten der Befriedigung seines Sexualtriebs dienten.
Im Sommer 1941 wurde Paul Ogorzow festgenommen und zum Tode verurteilt. Bereits am Tag nach seiner Verurteilung fand die Hinrichtung im Strafgefängnis Plötzensee statt. Die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass Berlin heute so sicher ist wie seit 10 Jahren.
Quellen: t-online
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