Die Astrobiologin Carol Oliver äußert sich zu den Gründen, die gegen einen Besuch von Außerirdischen auf der Erde sprechen. Ihre Argumentation wird durch verschiedene wissenschaftliche Überlegungen untermauert und stellt die Vorstellung einer Begegnung mit fremden Zivilisationen in Frage.
Die Dimensionen des Universums
Ein zentraler Punkt, den Oliver anführt, ist die überwältigende Größe des Weltraums.
„Der Weltraum ist einfach unfassbar groß – jenseits unserer Vorstellungskraft“,
schreibt die Expertin. Der sonnennächste Stern, Proxima Centauri, liegt etwa 40 Billionen Kilometer entfernt, was rund 4,3 Lichtjahren entspricht. Selbst das aktuell schnellste Raumfahrzeug, die Parker Solar Probe, erreicht lediglich etwa 191 Kilometer pro Sekunde. Diese Geschwindigkeit entspricht nur 0,064 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Oliver bemerkt, dass eine Reise zu Proxima Centauri in diesem Tempo etwa 6650 Jahre in Anspruch nehmen würde. Für interstellare Reisen wären Geschwindigkeiten erforderlich, die nahe der Lichtgeschwindigkeit liegen.
Die Problematik der Zeitdilatation
Sollte es möglich sein, mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen, entstünde ein weiteres Problem: die Zeitdilatation.
„Zeit und Bewegung hängen zusammen“,
erklärt Oliver. Dies bedeutet, dass Reisende, die sich extrem schnell durch den Raum bewegen, die Zeit anders erleben als die Menschen auf der Erde. Ein Beispiel hierfür ist der NASA-Astronaut Scott Kelly, der nach einem Jahr auf der Internationalen Raumstation minimal jünger war als sein Zwillingsbruder auf der Erde. Für hypothetische Außerirdische, die mit annähernder Lichtgeschwindigkeit reisen, könnte dies bedeuten, dass sie in eine Zukunft zurückkehren, die um Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte weiter fortgeschritten ist.
Der enorme Energieaufwand für interstellare Reisen
Ein weiterer Grund, den Oliver anführt, ist der immense Energieaufwand für interstellare Reisen.
„Die Masse des Raumschiffs steigt mit der Geschwindigkeit, sodass immer mehr Energie benötigt wird, um es zu beschleunigen“,
erklärt die Wissenschaftlerin. Bei Erreichen der Lichtgeschwindigkeit würde das Raumschiff eine unendliche Masse erreichen, was eine unendliche Energiemenge erfordern würde. Oliver fragt sich, warum eine hochentwickelte Zivilisation die enorme Energie aufbringen sollte, um zur Erde zu reisen.
„Alles, was wir besitzen, könnte eine solche Zivilisation auf ihrem eigenen Planeten herstellen“,
so Oliver.
Die Schwierigkeit der biologischen Bedingungen auf der Erde
Oliver weist außerdem auf einen dritten Punkt hin: die Erde ist biologisch kein neutraler Ort.
„Die Atmosphäre, die für uns lebensfreundlich ist, könnte für fremde Lebewesen als äußerst unangenehm empfunden werden“,
sagt sie. Sauerstoff, der für Menschen unverzichtbar ist, könnte für Außerirdische als hochreaktiv und korrosiv gelten.
Die Möglichkeit außerirdischen Lebens
Trotz dieser Argumente schließt Oliver die Existenz von Außerirdischen nicht aus. Sie betont, dass es in der Astronomie viele Hinweise darauf gibt, dass Leben anderswo im Universum möglich sein könnte. Bislang sind über 6200 Exoplaneten in mehr als 4700 Planetensystemen identifiziert worden. Die NASA geht davon aus, dass die meisten Sterne mindestens einen Planeten besitzen. Allein in der Milchstraße existieren mehr als 100 Milliarden Sterne, was die Zahl potenziell lebensfreundlicher Welten enorm macht.
Die Suche nach intelligentem Leben
In unserem eigenen Sonnensystem gibt es Kandidaten, auf denen mikrobielle Lebensformen existieren könnten, wie etwa Mars, Europa oder Enceladus. Seit 1960 wird systematisch nach Signalen intelligenter Zivilisationen geforscht, unter anderem durch das SETI-Institut oder das Projekt Breakthrough Listen. Bisher wurden jedoch keine Beweise für intelligentes Leben gefunden. Oliver sieht dies als wenig überraschend, da die Menschheit erst seit etwa 100 Jahren aktiv nach intelligentem Leben sucht, während das Universum bereits 13,8 Milliarden Jahre alt ist.
Das Fermi-Paradoxon
Das Fermi-Paradoxon beschreibt den Widerspruch zwischen der hohen Wahrscheinlichkeit für die Existenz außerirdischen Lebens und dem Fehlen von Beweisen oder Kontakt bis heute. Astronomen und Astrobiologen diskutieren zahlreiche mögliche Erklärungen: Vielleicht ist intelligentes Leben selten, möglicherweise kurzlebig oder technisch nicht in der Lage, interstellare Reisen zu unternehmen. Ein bekanntes Zitat aus einem Aufsatz im Fachjournal „Nature“ von 1959 bleibt relevant:
„Wenn wir nicht suchen, sinkt die Chance auf Erfolg auf null.“
Quellen: n-tv
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